Chronik

Der Steeger See ursprünglich ein Toteisloch

An die 2000 Seen und Weiher gibt es in Oberschwaben. Rund 200 von ihnen sind größer als ein Hektar. Die meisten von ihnen sind einzigartige Naturdenkmale. Zusammen mit den Hoch- und Niedermooren geben sie dem „Ländle“ sein besonderes Gepräge.
Wie ist diese Seenlandschaft entstanden?
Eis und Wasser haben Oberschwaben modelliert. Die Hügelwellen und waldbestückten Höhenlinien bewahren die Kiesel und Sande der Eiszeit, die Gletscher vor sich aufgetürmt und an ihren Rändern abgelagert haben. Das Profil der Landschaft zeigt noch die Straßen und Rinnen der Eisströme und ihrer Wasser. Wir sprechen gerne vom Vorstoßen der Gletscher aus den Alpen, und daß sie sich während den wärmeren Zwischeneiszeiten wieder dorthin zurückgezogen hätten – ein unzutreffendes Bild, was den zweiten Teil der Aussage betrifft. Wann immer die Jahrestemperaturen anstiegen, schmolz mehr Eis ab, als aus den Alpen nachgeschoben wurde. Die Gletscher krochen nicht in die Bergwelt zurück wie eine Schnecke in ihr Haus. Sie lösten sich einfach in unzählige kleinere und größere Rinnsale auf. So geschah es auch mit dem letzten Gletscher der Würmeiszeit, als es vor 15000 Jahren wieder wärmer wurde (beim Schussenursprung war er zum Stehen gekommen; seine Höhe maß dort immer noch 200 m). Die Schmelzwasser sammelten sich in den Senken und Mulden der zerfurchteten Geröllandschaft, die der Eisvorstoß hinterlassen hatte. So entstandenzahllose Wasserflächen, von denen die kleinen die Sonne austrocknete, die größeren und seichteren in den nachfolgenden Jahrtausenden vermoorten. Nur die großen und tiefen blieben als Seen bestehen.
Schon während des Vordringens des  Eises nach Norden waren immer wieder große Teile von der Gletschersohle abgeschürft worden, die in Vertiefungen liegen blieben. Ebenso brachen oft riesige Brocken beim raschen Abschmelzen ab. Abfließende Wasser schotterten ihre Umgebung auf und überdeckten sie mit Kies und Sand. Solche „Toteislöcher“ blieben noch Jahrhunderte erhalten. Es dauerte seine Zeit, bis die Sonne diese Steinsärge durchdringen und das eingeschlossene Eis auftauen konnte. Die darauf abgelagerten Gerölle sanken auf den Boden des Toteisloches.
So muß man sich wohl auch den Steeger See entstanden denken. Den altsteinzeitlichen Jägern, die auf ihren Jagdzügen von ihrem Lager an der Schussenquelle bis an sein Ufer kamen, zeigte er sich noch als klarer See, an dessen Grund sie das abgesunkene Gestein sehen konnten.
In den folgenden Jahrtausenden wandelte sich das Erscheinungsbild Oberschwabens. Die vegetationslose Geröllwüste unmittelbar nach dem Abschmelzen des Eises wandelte sich in eine Tundralandschaft, Jagdgebiet der Rentierjäger von der Schussenquelle, bis schließlich eine üppige Flora sich ausbreitete. Den Steeger See umsäumte jetzt ein Schilfgürtel, Heim- und Brutstätte für viele Vogelarten. Laichkräuter, weiße See- und gelbe Teichrosen breiteten sich an seinen Rändern aus. Auf dem Grund setzte sich eine dicke Schlammschicht ab. Als in der ersten Hälfte des 5. Jt. v. Chr. frühe bäuerliche Siedler in das Alpenvorland eindrangen und sich vorübergehend auch im Steeger See niederließen, war aus dem einstigen klaren Eiswassersee schon längst ein dunkler Moorsee geworden.